Meine Damen und Herren,
liebe Referenten,
liebe Gäste,
Energie hat in unserer heutigen Lebensführung und in unserer Gesellschaft eine hohe Bedeutung. Ich möchte das mit ein paar Zahlen belegen:
Gemessen am pro Kopf-Energieverbrauch zählt Deutschland aufgrund seines hohen Entwicklungsstandes und seiner starken Wirtschaft weltweit zu den größten Energieverbrauchern.
Der Primärenergieverbrauch beträgt mehr als 14.500 Petajoule =
500 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten =
25 Millionen Güterzugwagen mit Kohle =
300.000 km langer Güterzug mit Kohle
Jährlich, nur für Deutschland!
Mit einem Anteil von ca. 35 % ist Erdöl nach wie vor der wichtigste Primärenergieträger, gefolgt vom Erdgas, der Steinkohle, der Kernenergie und der Braunkohle.
Das ist die Situation heute: Wie sieht die Zukunft aus?
Die Weltbevölkerung wächst jede Woche um 1,5 Mio. Menschen, d. h. jedes Jahr kommen 80 Mio. dazu – das ist fast soviel wie die Bevölkerung der Bundesrepublik. Dieses Wachstum stellt die Menschheit insgesamt vor große Herausforderungen – die Versorgung mit Nahrung, sauberem Trinkwasser und Energie. Gleichzeitig nehmen die fossilen Rohstoff und Energieressourcen ab und die Belastungen der natürlichen Ökosysteme nimmt für alle sichtbar zu.
In den Diskussionen um Zukunftsstrategien spielen erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe eine zunehmende Rolle. Die Nutzung von Biomasse ist ein Baustein in diesem Gesamtsystem.
Kaum jemand bestreitet, dass unsere Energieversorgung grundlegend umgebaut werden muss. Zum einen ist das deshalb nötig, weil die fossilen Ressourcen irgendwann aufgebraucht sein werden.
Vor allem aber deshalb, weil der Klimawandel uns alle bedroht und wir deshalb die Produktion von Kohlendioxid drastisch senken müssen. Ausschließlich erneuerbare Energien zu nutzen, wird daher für künftige Generationen die einzig mögliche Lösung sein.
So weit trägt der Konsens, doch sehr unterschiedliche Meinungen gibt es bei der Frage der Zeithorizonte und der Frage, wie genau der Weg in eine rein regenerative Energieversorgung gestaltet werden soll.
Wir in Frankenberg – auch ich ganz persönlich – möchten den Leitsatz „Global denken – lokal handeln“ zu einem wichtigen Schwerpunkt machen. Vor unserer Haustüre können wir die dazu nötigen Schritte tun.
Wir haben das in den letzten Jahren bereits gemacht:
Wir haben viel Geld in die Energieeffizienz unserer Gebäude aber auch in Wasserkraft und Photovoltaik investiert. Nicht nur wir, die Stadt, die EGF sondern Unternehmen und Bürger unserer Region.
Warum nun Biogas?
Beim heutigen Stand der Technik bietet der Ausbau von Biogas als eine Schlüsseltechnologie der erneuerbaren Energien für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum viele positive Potenziale.
Heute ist die Biomasse die vielfältigste Quelle des regenerativen Energieangebots. Die Bioenergie hat den Vorteil, grundsätzlich für alle energetischen Verwendungen nutzbar zu sein, für Strom, für Wärme und für Mobilität.
Biogas ist immer dezentral, hat eine sehr breite Rohstoffpalette, ist hinsichtlich der Anlagengröße außerordentlich flexibel, erhält nachhaltig Nährstoffkreisläufe, macht alternative Produktlinien in der Landwirtschaft bei guten Erträgen möglich und generiert erhebliche Wertschöpfungen und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
Biogas ist immer verfügbar – kann also Grundlastkraftwerke ersetzen.
Biogas ist gut specherbar.
Biogas stellt deshalb die wichtigste und auch vielseitigste Form der Bioenergie aus der Landwirtschaft dar.
Durch die Ganzpflanzennutzung und die geschlossenen Nährstoffkreisläufe ist die Flächen- und Energieeffizienz von Biogas derzeit allen anderen Formen der Bioenergie aus landwirtschaftlicher Anbaubiomasse überlegen.
Deshalb stehe ich hier: Weil ich für unsere Pläne eine Biogasanlage zu errichten einstehe! Ich halte dies für richtig und wichtig!
Aber natürlich gilt es dabei, die Sorgen und Bedenken in der Bevölkerung zu berücksichtigen:
Wir möchten Sie mitnehmen, wir möchten Sie einbinden. Eine Stadtverwaltung und insbesondere der Bürgermeister sind für die Bürgerinteressen dar.
Ich muss Sie auf meinem Weg für die Zukunft dieser Stadt mitnehmen, Sie für meine Strategie gewinnen – oder den Weg / die Strategie gemeinsam mit Ihnen überdenken.
Daher nehmen wir das Verfahren zur Bürgerbeteiligung ernst. Und daher möchten wir Sie heute Abend umfassend informieren.
Ich will Ihnen daher kurz die Tagesordnung und die Referenten des heutigen Abends vorstellen, um dann auch gleich gemeinsam mit Ihnen in die Tagesordnung einzusteigen.